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#135 | deutschkreutzer rieden | infos aus den geschichtsbüchern

Foto: Dreifaltigkeitssäule am Schnittpunkt mehrerer Wein-Rieden des wohl ältesten Weinbaugebietes von Deutschkreutz

Die vorläufig älteste Urkunde, die Weinbau in Deutschkreutz bezeugt, stammt aus dem Jahre 1356. Im Spätmittelalter (1250 – 1500) umfasste das ziemlich geschlossene Alte Deutschkreutzer Weingebirge die Rieden Satz, Goldberg, Tschicken, Siglosgrund, Hochbaum Höblisch, Mitterberg, Hochberg, Fabian und Neuberg.

Im 18. Jahrhundert zählte das Deutschkreutzer Weingebirge mit seinen ca. 290 ha zu den größten des Komitates Ödenburg. Man wusste sehr früh um seine für den Weinbau besonders günstige Lage, wobei vor allem die Südwest-Hänge, wie Goldberg und Hochberg, eine besondere Reife hervorbringen. Die erhabene Lage der Weinkulturen schützte die Weinstöcke außerdem weitgehend vor dem Erfrieren, was jahrelange Ernteausfälle verhinderte.

FABIAN
H: Der um die Mitte des 16. Jhdt. erstmals genannte Kreutzer Schlossweingarten FABIAN (Name des Vorbesitzers) dürfte auf das Mittelalter zurückgehen, denn solche personenbezogenen Riednamen stammen in der Regel aus dem Spätmittelalter. Vom herrschaftlichen Weingarten ist der Name dann auf die ganze Riede übergegangen.
Seehöhe: 250 m
Fläche der gesamten Riede: 37 ha
Boden: Die Stärke des schweren Lehmbodens ist die hervorragende Wasserspeicherkapazität. Er bringt körperreiche, charaktervolle Weine hervor.
Hangausrichtung: Süd-West

SIGLOS
H: In den alten Katasterbeschreibungen in ungarischer Sprache wird der „Siglosgrund“ „Siklo Dülö“ (Nattern-Grund) genannt, da ung. „Siklo“ (schiklo) Natter, Schlange, heißt. Vielleicht steckt auch der Name eines Vorbesitzers in der Bezeichnung.
Fläche der gesamten Riede: 17 ha
Boden: Ist eine Art Kessellage – auf der gegenüber liegenden Seite befindet sich die Lage Hochbaum.
Siglos ist nach Süden geneigt und nach Norden hin offen. Die Unterböden bestehen aus schwerem Lehm mit einem hohen Anteil an Kalk, der hier sowohl in verwittertem Zustand als auch in Form von großen Brocken eingelagert ist. Darüber befindet sich eine etwa 40 cm starke Schicht mit sandigem Lehm.
Hangausrichtung: Süd-West

GOLDBERG
H: Der Name „Goldberg“ hat wohl mit der besonders günstigen Lage zu tun. Dieser sanfte Rücken ist kaum frostgefährdet und als Süd-Westhang vermag er den darauf heranreifenden Trauben einen hohen Reifegrad zu verleihen. „Im Goldberg haben die Weintrauben um zwei Mostgrade mehr als sonst wo“, heißt es bei den Deutschkreutzer Weinbauern schon seit Generationen. Der Goldberg brachte seinen Besitzern immer schon einen außergewöhnlichen Ertrag, was sich auch in Geld (=Gold) ummünzen ließ; diese Weingärten waren eben Goldwert.
Fläche der gesamten Riede: 33 ha
Boden: Die nach Westen ausgerichteten Weingärten mit zum Großteil kalkreichen Sand- und Lehmböden sind im Norden durch den Geißbach begrenzt. Hier werden vor allem Rotweinsorten wie Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon und Merlot kultiviert.

TSCHIGA
H: Der „Tschicken“ scheint als „Csiga Dülö“ (Schnecken-Grund) auf; ung. „csiga“ (tschiga) bedeutet Schnecke. Es ist denkbar, dass diese Gegend nach dem gehäuften Auftreten der genannten Tiere benannt wurde. Im „Tschicken“ (Tschiga), einem Feuchtgebiet, finden sich immer wieder Prachtexemplare von Weinbergschnecken.
Fläche der gesamten Riede: 27 ha

HOCHBAUM
H: Die Riede „Hochbaum“ (=auffallend hoher alter Baum) heißt in diesen ungarischen Beschreibungen „kapolna Dülö“ (Kapellengrund), weil dort die Weinbergkapelle (17. Jhdt.) steht.
Fläche der gesamten Riede: 30 ha

HÖBLISCH
H: Landwirtschaftliche Areale wurden oft auch nach natürlichen Gegebenheiten oder anderen Besonderheiten benannt.
Höblisch“ (Hejwischl) geht wohl auf „höflisch“ (herrschaftlich) zurück, da dieser Geländestreifen unmittelbar am „Schlossgrund“ lag. Eventuell waren hier die ersten Eigenbauweingärten der damaligen Herrschaft.
Fläche der gesamten Riede: 3,5 ha

H: Quelle/geistiges Eigentum/Aus dem Schriftstück „Wissenswertes zum Deutschkreutzer Weingebirge (BIIRI)“,  Dr. Adalbert Putz; Deutschkreutz