Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

#62 | happy new year | der zug der zeit…

Der Zug der Zeit

Im Zug der Zeit, da will man vorne sitzen.
Nicht mittendrin und sicher nicht am Schluss.
Und auch nicht zwischen irgendwelchen Fritzen.
Am rechten Platz zu sitzen ist ein Muss.

Den Zug der Zeit, den darf man nicht verpassen.
Der fährt, ob wir dabei sind oder nicht.
Den kann man auch nicht einmal warten lassen.
Denn wenn er abfährt, sind die Türen dicht.

Der Zug hält nicht auf allen Stationen.
An manchen fährt er kurzerhand vorbei.
Ein Fensterplatz kann sich besonders lohnen,
zu seh´n, wer nicht zum Zug gekommen sei.

Der Zug der Zeit kennt keine Abonnenten.
Und niemand findet reservierten Platz.
Er ignoriert die Fortschritts-Abstinenten.
Für den der aussteigt wartet schon Ersatz.

Der Zug der Zeit muss nicht um Gäste bangen.
Und niemand stellt ihm das Signal auf Rot.
Er hält nicht viel von „Halten auf Verlangen“,
nur weiterfahren lautet sein Gebot.

Doch mag der Zug auch noch so Zeit gewinnen
und mag sein Tempo noch so rasend sein,
kann doch selbst er den Zeiten nicht entrinnen
und holt sie auch mit Sicherheit nicht ein…

Ernst Bannwart

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

#59 | friedvolle weihnachten euch und euren familien!

bei frostig kalter winterluft träum ich vom süßen tannenduft
und warmem kerzenschein. vom leisen fall der weißen flocken
dem hellen klang der weihnachtsglocken und möchte kind noch sein.

voll sehnsucht denke ich zurück an weihnachtliches kinderglück –
wie reich der schnee doch fiel. ich höre das adventsgedicht
das mutter jeden sonntag spricht – seh´ mich beim krippenspiel.

und dann erst in der heil´gen nacht – wie spannend wurde es gemacht –
geheim war stets der raum. gemeinsam gingen wir hinein
und sangen froh beim kerzenschein das lied: „oh tannenbaum“.

da rührt sich etwas tief in mir und plötzlich weiß ich – jetzt und hier –
es liegt an mir allein. das kind ist einst im stall geboren –
der zauber, er ging nicht verloren – er will gelebt nur sein

friedvolle weihnachten euch allen!
herzlichst – fam. reumann

Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

#48 | sommerfrische – ein wenig poesie

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil´s wohltut, weil´s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
und hast eine bei dir,
dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
nicht weiter reichen, als ein Grashupferhupf 🙂

Joachim Ringelnatz