
Weinernte 2026: Kleine Beeren, große Aromatik
Beschleunigte Reife und verringerte Menge durch Hitze und Trockenheit
10.09.2026 – Früher Austrieb, zeitige Rebblüte und hohe Temperaturen haben die Reifeentwicklung der Trauben 2026 deutlich beschleunigt. Entsprechend früh hat heuer die Weinlese begonnen. Gleichzeitig führt die Trockenheit zu erheblich geringeren Erträgen: Erwartet wird eine Weinernte von rund 1,7 Mio. Hektolitern. Qualitativ stimmen die gesunden, reifen und kleinbeerigen Trauben jedoch zuversichtlich.
„2026 ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnliches Weinjahr – mit früher Reife, kleinen Beerendurchmessern und geringen Erntemengen. Gleichzeitig bringen die Winzerinnen und Winzer sehr gesundes und reifes Traubenmaterial in die Keller. Wir erwarten einen ausdrucksstarken, aromatischen Weinjahrgang“, erklärte Österreichs Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager heute beim jährlichen Weinernte-Pressegespräch in Wien.
Mengenmäßig geringe Ernte
Mengenmäßig ist 2026 mit einer deutlich geringeren Weinernte zu rechnen als im Vorjahr und auch im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen Jahre. „Nach den derzeitigen Rückmeldungen aus den Weinbaugebieten erwarten wir heuer eine Weinernte von rund 1,7 Mio. Hektolitern. Damit liegen wir um mehr als 30 Prozent unter der Vorjahresernte“, betonte Schmuckenschlager und sagte weiter: „Die extreme Trockenheit hat deutliche Spuren hinterlassen. Die Beeren sind vielfach sehr klein und auch die Mostausbeute fällt entsprechend geringer aus.“
Kleine Beeren, intensive Aromatik
Während die Trockenheit die Erntemenge reduziert, sind die Aussichten auf die Qualität des Jahrgangs gut. Der geringe Krankheitsdruck ermöglicht die Ernte von durchwegs gesundem Traubenmaterial. Entscheidend ist heuer vor allem der richtige Lesezeitpunkt. „Die Reife ist aufgrund der Witterung bereits sehr weit fortgeschritten und macht den frühen Lesebeginn notwendig, um ein harmonisches Zucker-Säure-Verhältnis zu erhalten“, erklärte Schmuckenschlager. Besonders die kleinen Beerendurchmesser prägen den Jahrgang. „Kleine Beeren bedeuten weniger Saft, aber eine hohe Konzentration an wertgebenden Inhaltsstoffen. Wir erwarten daher besonders aromatische und ausdrucksstarke Weine“, so Schmuckenschlager. Gute Voraussetzungen sieht der Weinbaupräsident auch insbesondere für Rotwein: „Die kleinbeerigen, tiefdunklen und konzentrierten Rotweintrauben lassen dichte, vollreife Weine erwarten.“
Trockenheit und Hitze prägen das Weinjahr 2026
Ausschlaggebend für die außergewöhnlich frühe Weinernte ist der Witterungsverlauf im Jahr 2026. Während der Wintermonate gab es noch einige Niederschläge und Frostphasen, bereits ab Ende April folgte eine Phase mit nahezu sommerlichen Temperaturen. Der Austrieb der Reben begann Mitte April. Trotz dieses frühen Rebaustriebs waren fast keine Spätfrostschäden zu verzeichnen. Die warme Witterung beschleunigte die weitere Entwicklung, sodass die Rebblüte bereits Ende Mai bzw. Anfang Juni einsetzte.
Vielerorts zeichnete sich bereits Anfang Juni ein Niederschlagsdefizit ab. Mitte Juni setzte eine erste massive Hitzewelle ein, die zu einem raschen Vegetationsfortschritt führte. Abgesehen von vereinzelten Gewittern blieben ergiebige Niederschläge in den Weinbaugebieten aus. Besonders der Osten Österreichs war von extremer Trockenheit und Hitze betroffen. Temperaturen über 30°C waren während des heurigen Sommers über weite Strecken gang und gäbe.
Die Weinrebe als Dauerkultur ist mit ihren tiefen Wurzeln nicht so trockenheitsanfällig wie andere landwirtschaftliche Kulturen. Die heurige Trockenheit brachte jedoch auch die Weinreben an ihre vegetativen Grenzen. Besonders betroffen waren Junganlagen, deren Wurzelsystem noch nicht ausreichend entwickelt ist. Teilweise wurden dort Trauben entfernt, um die jungen Stöcke zu entlasten. Das Ausmaß der Trockenheitsschäden in den einzelnen Weingärten wurde wesentlich von der Beschaffenheit und Wasserspeicherfähigkeit der Böden sowie von der Bewirtschaftung und Pflege während der Trockenperiode beeinflusst.
Hauptlese bereits Anfang September angelaufen
Der frühe Austrieb, die zeitige Blüte und die hohen Temperaturen während des Sommers haben die Reifeentwicklung deutlich beschleunigt. Entsprechend früh hat die Weinlese begonnen. Im Seewinkel im Burgenland geht die Lese sogar bereits dem Ende zu. In Niederösterreich, der Steiermark und Wien hat Anfang September die Hauptlese gestartet.
Österreichische Qualität als Marktvorteil – trotz herausfordernder Marktsituation
Neben den witterungsbedingt geringeren Erträgen bleibt auch die Marktsituation für die Weinbaubetriebe herausfordernd. Der rückläufige Weinkonsum, bedingt durch das veränderte Konsumverhalten, sowie der hohe Preisdruck wirken sich auf die gesamte Branche aus. Österreichs Winzer*innen haben hier einen strukturellen Vorteil, den es gilt auszuspielen: Ihre Weine sind frisch, handwerklich erzeugt, hochwertig und umweltbewusst produziert. Das ist die Grundlage, um in einem schrumpfenden Markt bestehen zu können, Konsumtrends aufzugreifen.
Text @ÖWM Presseinformation 10. September 2026
